Fleisch aus der Region

 

Vor einigen Tagen hatten wir eine Video-Konferenz mit drei der zehn größten Schlachtbetriebe und Vertretern des Vereins der Fleischwirtschaft. Wir hatten um dieses virtuelle Treffen gebeten, da wir mit ihnen gemeinsam mehr Tierschutz in den Schlachthöfen erreichen bzw. umsetzen wollen.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass es große Unterschiede gibt was die Schlachtzahlen angeht und dementsprechend auch die Betäubungsmethoden, Kontrollen, technischen Einrichtungen etc.

 

Dennoch sind alle daran interessiert, mit uns gemeinsam zu schauen, welche Verbesserungen in den jeweiligen Betrieben nötig und möglich sind und diese dann auch umzusetzen. Dabei sollen sich die Verbesserungen nicht auf den Schlachtbetrieb beschränken, sondern auch die Vertragslandwirte und den Transport der Tiere mit einbeziehen.

 

Letzteres ist zunehmend wichtig, da nicht nur die Verbraucher lieber „aus der Region“ kaufen, sondern auch die Politik das Thema Tiertransport EU-weit im Fokus hat. Aktuell ist es beispielsweise so, dass laut EU-Verordnung erlaubt ist:

 

  • Pferde 24 Stunden (mit Tränke nach jeweils 8 Stunden)
  • Rinder, Schafe und Ziegen 14 Stunden (dann 1 Stunde Pause mit Tränke, dann weitere 14 Stunden)
  • Schweine 24 Stunden (mit Zugang zu Trinkwasser)

 

zu transportieren.

Wenn die Tiere nach diesen Zeitabschnitten an einer zugelassenen Kontrollstelle entladen, gefüttert, getränkt werden und 24 Stunden Ruhezeit bekommen, kann man diese Transportabschnitte aber auch wiederholen. So sind manche Tiere durchaus mehrere Tage unterwegs.

Dabei werden sie meist über mehrere Ebenen verladen (wer hat nicht schon die Transporter gesehen, bei denen auf zwei Etagen Schweinenasen durch die Ritzen schauen), damit möglichst viele auf einmal befördert werden können. Zeit ist Geld – Platz aber auch!

 

Das Verschicken der Tiere in ferne Länder macht u.a. in finanzieller Hinsicht Sinn: das Schlachten ist dort teilweise so billig, dass trotz der Kosten für den Transport mehr Gewinn gemacht wird, als beim regionalen Schlachten. Mehrere Hunderttausend Tiere werden jährlich so „verschickt“, einige Millionen Tiere jährlich innerhalb Deutschlands.

 

In 2019 gab es dabei etwa einen Unfall pro Woche! Viele tausend Tiere werden bei diesen Unfällen verletzt und getötet, aber auch Menschen kommen dabei immer wieder ums Leben, nicht zuletzt auch durch Tiere die panisch aus dem verunfallten Transporter ausbrechen und über die Autobahn rennen…

 

Übrigens sind es die Schlachtbetriebe, die dann zur Unterstützung an den Unfallort gerufen werden, um die vielen verletzten Tiere vor Ort notzutöten und so rasch von ihrem Leid zu erlösen. Aktionen, die auch den Schlachthofmitarbeitern nahe gehen.

Aber dazu mehr in einem späteren Schwein-ohne-Pein-Bericht.